Institut für Schematherapie – Eckernförde  
· Alternierend aktive Anteile der Person - Schemamodi
Heinrich Berbalk und Jürgen Kempkensteffen haben Ansätze zu alternierend auftretenden Anteilen der Person, den "Momentanen Personalen Gesamtzuständen", am Beispiel des Depressionsgeschehens beschrieben. Dies soll der Beschreibung des Modusansatzes der Schematherapie zur Einordnung in aktuelle Sichtweisen vorangestellt werden.


Im Ansatz des „Momentanen Personalen Gesamtzustandes“ geht es um die Gesamtheit der unter einem zeitlich begrenzten Thema im Individuum auftretenden Prozesse einschließlich der körperlichen Reaktionen.

„Momentan“ meint das Vorliegen eines „Personalen Gesamtzustandes“ für genau den Zeitraum, in dem das Thema für die Gesamtorganisation gelten kann. Der Zustand ist nicht statisch sondern bezeichnet die gesamten dynamischen Prozesse im Zeitraum derselben thematischen Ausrichtung.
„Personal“ nennen wir diesen „Momentanen Gesamtzustand“, weil er im Wechselspiel mit „allgemein evolutionär bedingten Zuständen“ von der Einzigartigkeit der genetischen Ausstattung und in diesem Rahmen besonders der Einzigartigkeit der individuellen Lerngeschichte abhängt.
Ein „Momentaner Personaler Gesamtzustand“ ist damit eine zeitlich begrenzte, auf allen Reaktionsebenen verbundene und thematisch organisierte Gesamtinterpretation der momentanen äusseren und inneren Gegebenheiten eines Menschen.

Betrachtet man im Therapiegeschehen die „Momentanen Personalen Gesamtzustände“ einerseits und die symptom- und problemorientierte Vorgehensweise andererseits, so ergibt sich für unsere Arbeit ein wechselndes Figur-Grund Verhältnis.
Aus der Sicht des Therapeuten ist das problemorientierte Handeln zeitweise Figur und der Gesamtzustand Hintergrund, zu anderen Zeiten tritt der Gesamtzustand als Figur hervor und die Gesamtorganisation der Person mit allen ihr verfügbaren Zuständen stellt den Hintergrund dar. Diese Sichtweise erbringt gerade auch für den Therapeuten einen enormen Gewinn. Bei Patienten wahrgenommene Zustandswechsel müssen nicht mehr als Störungen oder Erfolglosigkeiten bei der Therapie aufgefasst, sondern können als neue Figur für die therapeutische Arbeit aufgenommen werden. Nach unserer Erfahrung verringert sich dadurch auch die Anzahl der beim Therapeuten auftretenden, für die Therapie dysfunktionalen eigenen Zustandswechsel.

Wir beschreiben in der Literatur gefundene Ansätze aus der Perspektive des „Momentanen Personalen Gesamtzustands“.
Diejenigen Begriffe die wir mit unserer Bezeichnung „Momentaner Personaler Gesamtzustand“ in Verbindung bringen, werden in der Arbeit durchgehend in Anführungsstriche gesetzt.

 

Die evolutionäre Sicht


In der evolutionären Psychiatrie (Stevens u. Price, 1996; McGuire u. Troisi, 1998) gelten die Symptome von Depression oder Manie als angepasste Reaktionen auf Verlust oder Gewinn. Depressive Zustände sind demnach die energiesparenden Reaktionen auf Verlust, die solange anhalten bis alle Ansprüche zur Rückgewinnung des endgültig Verlorenen aufgegeben sind.

Als wichtige Bereiche für „Verlust- und Gewinnzustände“ werden emotionale Bindung und Status/gesellschaftlicher Rang angesehen. Zustände im Bereich der emotionalen Bindung sind „Sicherheit bei der Verfügbarkeit von schützenden Bindungsfiguren“, „Freude bei Wiedervereinigung nach Trennung“, „Neugier/Abenteuerlust bei willkürlicher, selbstbestimmter Entfernung aus bekannter Umgebung“.
Als Antwort auf Verlust der Bindungsfiguren können in Abfolge „Zustände von Zorn/Protest, Verzweiflung und schliesslich emotionaler Lösung“ auftreten. Als Alternative zu „Zorn/Protest“ und „Verzweiflung“ kann auch „ausgeprägte Gleichgültigkeit“ beobachtet werden. Je nach Reaktion der interpersonalen Umgebung können diese Zustände Anpassungswert haben. Im ungünstigen Fall stellen sie Erfahrungen dar, die zur Chronifizierung und zum Exzess in Intensität und Frequenz führen und so zur Störungsgenese beitragen können.

Aus der Status- und Rangtheorie lassen sich „Verlierer- und Gewinnerzustände“ ableiten. Der Verliererzustand signalisiert ein Kapitulieren und beendet damit den bedrohlichen Konflikt mit dem Stärkeren. Eine Aufhellung „depressiver Zustände“ wird durch die Wiederherstellung relativer sozialer Harmonie ermöglicht. Der „Gewinnerzustand“ fungiert ebenfalls als Signal, einmal des Sieges und zum anderen der Bereitschaft, den Sieg gegenüber dem Verlierer erneut zu bekräftigen.

„Gesamtzustand“ im Sinne der Anpassung an Verlust ist der „depressive Modus“. Im Zusammenhang mit dem Verlust im Bereich wichtiger zwischenmenschlicher Beziehungen erscheinen „Zustände mit den Themen Zorn/Protest, Verzweiflung und eventuell dissoziative Zustände der Gleichgültigkeit“.

Der „Zustand bei Statusverlust“ ist thematisch der des „Verlierers“. „Unterwerfung“ und „Abwendung von der Gefahr“, die von den Stärkeren ausgeht, sind zugehörige Themen.



Chronische Aufrechterhaltung unerfüllter Intentionen und schlechte Selbstdifferenzierung bei „State-Orientierung“ nach Kuhl


Volitionale und motivationale Mechanismen, die die Umsetzung von Intentionen aufrechterhalten, sind nach Kuhl (Kuhl u. Helle, 1994) entscheidend für das Depressionsgeschehen. Im Ansatz von Kuhl entsprechen selbstkongruente Intentionen den Werten und persönlichen Zielen der Person. Selbstinkongruente Intentionen entsprechen von anderen Personen ausgehende und/oder fälschlich als persönlich angesehene Ziele.

Haben die, dem Selbst fremden Intentionen den Zugang zu den aufrechterhaltenden selbstregulatorischen Vorgängen, ist es ebenso schwer, die Absichten umzusetzen, wie die Zielverfolgung aufzugeben. So kommt es zu einem „ineffizienten, erschöpfenden Gebrauch der Selbstregulation“. Wird der Selbststatus vom Individuum nicht als falsch erkannt, kommt es zur anhaltenden Anstrengung (overmaintenance). Dazu birgt die tatsächliche Abgeschnittenheit der Intentionen vom Selbst und damit der Mangel an positiver emotionaler Stützung die Gefahr des „Versagens“.

Tauchen als Reaktion auf die Selbstinkompatibilität negative Emotionen auf, kommt es zu unkontrollierbaren Verhaltensunterbrechungen. Die unkontrollierbaren Verhaltensunterbrechungen gehen oft mit unbeabsichtigten, nicht steuerbaren Grübeleien einher. Letzteres passt für Kuhl zu seiner „State-Orientierung“ genannten Fixierung auf vergangenes, gegenwärtiges oder zukünftiges Befinden in unerfreulicher Lage.

„Handlungsorientierung als depressions-konträrer Zustand“ bezeichnet den flexiblen Wechsel der Aufmerksamkeitszuwendung auf Handlungsmöglichkeiten, die eine gute Anpassung an eine Situation sein könnten.

Ein „depressiver Gesamtzustand“ kann demnach in einer „State-Orientierung zusammen mit der erfolglosen, erschöpfenden Verfolgung selbstinkongruenter Absichten“ liegen. Nach Kuhl kann es zusätzlich bei ausgeprägter Dissoziation zwischen kognitiven und emotionalen Präferenzen zu unerfüllbaren „globalen Bedürfniszuständen“ kommen, die durch ein Bestreben nach vollständiger Beseitigung von Minderwertigkeits-, Unsicherheits- oder Abhängigkeitsgefühlen gekennzeichnet sind.



„Mind-in-Place“ und Teasdale´s „Interacting Cognitive Subsystems“


Die Metapher „Geist vom Dienst“ („Mind-in-Place“) von Ornstein ist ein Ausgangspunkt für den Ansatz von Teasdale (1997).

Entsprechend den Erkenntnissen zur neurophysiologischen Organisation des Menschen kann man davon ausgehen, daß ein Individuum nicht ein, sondern im Wechsel viele informationsverarbeitende Systeme darstellt. Oftmals einfache, meist externe Auslöser („geknipste Schalter“) bewirken den unmittelbaren Wechsel von einem zum anderen System. Der Erhalt des Selbst ist dabei eine Illusion, es sei denn, man betrachtet jedes System als vollwertigen Repräsentanten des Selbst oder das Selbst als den Systemen übergeordnetes oder paralleles System.

Die Vorstellung des „Geist(es) vom Dienst“ entspricht unserer Vorstellung vom „Momentanen Personalen Gesamtzustand“. Das „Mind-in-Place“ Konzept heisst bei Teasdale „Interacting Cognitive Subsystems“ („ICS“) und die „Geister vom Dienst“ nennt er „schematic mental models“.

Nach Teasdale ist Depression assoziiert mit einem Wechsel aus einem „nicht-depressiven Zustand“ in einen „Zustand, in dem Selbstwertschemata entweder mit Schemata sozialer Anerkennung oder mit Schemata des Erfolgs interagieren“. Während der „depressive Zustand“ die Ausrichtung auf negative Ereignisse beinhaltet, ergeben sich durch die Interaktion der beteiligten Schemata zunächst scheinbar widersprüchliche Effekte.

So reagieren zum Beispiel Personen, bei denen Selbstwertkonzepte mit Konzepten sozialer Zustimmung/Ablehnung verbunden sind, auf unerwartete Zustimmung positiver in depressivem Zustand („Zustand gesteigerter positiver Erreichbarkeit für soziale Anerkennung unter Depression“) und weniger positiv in nicht-depressivem Zustand. Ähnlich „überraschend“ reagieren Personen, bei denen Selbstwertschemata mit Erfolg-/Misserfolgschemata verbunden sind, auf unerwarteten Erfolg positiver in depressivem als in nicht-depressivem Zustand („Zustand gesteigerter positiver Erreichbarkeit für Erfolg unter Depression“).

Normalerweise wird je nach wechselnden Umständen der „Geist vom Dienst“ abgelöst von einem neu gerufenen, zu den Umständen passenden „Geist“. „Störungsgeister“ wie der „Depressionsgeist“ lassen sich schwer aus dem Dienst vertreiben.

Teasdale beschreibt drei Faktoren, die zur Selbstperpetuierung eines „Depressionsgeistes vom Dienst“ führen können. Erstens erzeugt das „depressiogene schematische Modell“ Erfahrungen, welche das Modell selbst bestätigen oder ähnliche „schematische Modelle“ erzeugt. Zweitens führt Sensorisches Feedback von körperlichen Auswirkungen des „depressiogenen Modells“ zu dessen eigener Regenerierung. Drittens sind „Depressiogene schematische Modelle“ kognitive „Imperialisten“, d.h. kognitive Ressourcen werden exklusiv depressions-erhaltenden Informationen bereitgestellt, sodass für „konkurrierende Modelle“ keine Kapazität verbleibt.



Beck´s Erweiterung des Kognitiven Depressionsmodells und seine Sicht von „Schemata-Modes“


Beck (1996; Clark u. Beck, 1999) unterscheidet in seinen neuesten Arbeiten folgende Schematypen: Kognitiv-konzeptuelle Schemata, affektive Schemata, physiologische Schemata, Verhaltensschemata und motivationale Schemata. Die motivationalen Schemata können nach Beck die Bereiche „achievement“, „intimacy“, „interpersonal relatedness“ und „power“ betreffen.

Als „modes“ bezeichnet Beck ein dem Schemakonzept übergeordnetes Konzept der momentanen Organisation einer Person: Ein „mode“ ist eine spezifische Ansammlung aufeinander bezogener kognitiv-konzeptueller, affektiver, physiologischer, motivationaler und verhaltens-bezogener Schemata, die zur Bewältigung jeweils bestimmter momentaner Anforderungen organisiert sind.
„Primal modes“ sind „modes“ zur Selbsterhaltung, Fortpflanzung, Sicherheit, Dominanz und Gesellung. Als klinisch relevante „primal modes“ führt Beck den „threat mode“ als Zustand bei Angststörungen, den „loss or deprivation mode“ als Zustand bei Depression sowie kontrastierend den „self-enhancement mode“ als Zustand bei positiver Lebensbewältigung an.

Wegen seiner Bedeutung für das Depressionsgeschehen listen wir den „loss or deprivation mode“ mit seinen schematischen Komponenten:

Kognitiv-konzeptuelle Schemata: Wahrnehmung eines tatsächlichen oder drohenden Verlustes lebensnotwendiger Ressourcen,
Affektive Schemata: Subjektiver Zustand von Dysphorie und Traurigkeit,
Physiologische Schemata: Empfinden von Müdigkeit und physiologischer Inaktivität,
Motivationale Schemata: Zustand von Hilf- und Ziellosigkeit sowie des Verlustes von freudvollem Interesse und Engagement,
Verhaltensschemata: Verhaltenspläne des Rückzugs und der Inaktivität.

Zu den „primal modes“ treten nach Beck „constructive modes“. Diese sind erworben oder mittels Lebenserfahrung konstruiert. „Constructive modes“ beziehen sich auf die Fähigkeit, effektiv mit anderen Beziehungen einzugehen, produktiv zu sein, Leistung zu erbringen, kreativ den Anforderungen des Lebens zu entsprechen und sind Ziele therapeutischer Bemühungen.
Gesunde „constructive modes“ beziehen sich auf Fähigkeit zu Intimität und romantischen Beziehungen, Erfolg in zwischenmenschlichen Beziehungen, Leistungsstreben, persönliche Meisterschaft und Effektivität in Teilbereichen des Lebens, Kreativität, Unabhängigkeit, Selbstbewußtsein, Optimismus und Rationalität.
Depression wird nach Beck dann bestehen bleiben, wenn wesentliche „constructive modes“ nicht aktiviert sind. Effektive Depressionsbehandlung erfordert daher eine Stärkung oder Wiederbelebung von „constructive modes“.

„Minor modes“ nennt Beck Informationsträger für „prosaische“ Aktivitäten des Alltagslebens wie lesen, schreiben, sich unterhalten, mit dem Auto fahren, sportliche Betätigung. „Minor modes“ sind erforderlich für ein „reibungsloses“ Leben in der alltäglichen Lebenswelt. Verlust von „minor modes“ können u.U. zu depressiven Zuständen führen.

Im Zusammenhang mit der Prädisposition zur Depression beschäftigt sich Beck auch mit der prä-depressiven Persönlichkeits-Suborganisation.

Für die Depressionsentstehung sind die zwei Persönlichkeits-Suborganisationen „Socio-tropy“ und „Autonomy“ relevant.

Bei „Sociotropy“ hängt der Selbstwert einer Person davon ab, geliebt und akzeptiert zu werden und enge persönliche Beziehungen zu haben. Schemata von soziotropischen Personen repräsentieren Selbstbewertungen in Beziehung zu anderen wie „Sie mögen mich nicht“, „Ich bin unerwünscht“, „Keiner liebt mich“. Die soziotropische Person ist daher verletzbar, wenn ein Ereignis als Verlust von sozialer Akzeptanz und Bindung wahrgenommen wird. Die folgende Schemakombination ist kennzeichnend für ihre Verletzbarkeit „Ich muß mich bemühen anderen zu gefallen, um geliebt und akzeptiert zu werden“. Bei anderen Schemakombinationen wie z.B. „Ich tue gerne etwas, um anderen zu gefallen“, sind soziotropische Personen resistent und nicht verletzbar.

Bei „Autonomy“ ist eine Person orientiert an Meisterschaft und Unabhängigkeit. Ihr Selbstwert ist verbunden mit Produktivität, Leistung und Kontrolle. Depressiogene Schemata bei „Autonomy“ sind „Ich habe versagt“, „Ich habe die Kontrolle verloren“, „Ich bin hilflos“. Im Rahmen von „Autonomy“ ist es bedrohlich, kontrolliert, eingeschränkt oder abhängig zu sein. Depressionsneigung besteht besonders, wenn die Erreichung von hoch bewerteten Zielen vereitelt wurde.

Zustandsänderungen können nach Beck auch auf relativ undifferenzierter Ebene stattfinden, nämlich auf der Ebene der „orienting schemas“. „Orienting schemas“ setzen Priorität für die Aufmerksamkeitszuwendung. Es handelt sich um ein erstes vorläufiges Raster zur Bedeutungsgebung von Ereignissen.
Im Orientierungszustand geht es um elementare Bedeutungen der Situation. Zwei polare Zustände im Rahmen der Orientierung sind „Gefahr“ versus „Sicherheit“ und „relevant für mich“ versus „irrelevant für mich“. Einer dieser Zustände „relevant für mich“ wird im Bereich psychischer Störungen hypervalent. Dies trifft auch für Depression zu, Ereignisse werden verstärkt als negativ und persönlich relevant „erkannt“.
Über eine unmittelbare Zustandsänderung hinaus, aktivieren die „orientierenden Schemata“ weitere kognitive Strukturen.

Gerade im Depressionsgeschehen ist eine weitere Art von Schemata, die auf das Selbst bezogen sind, wichtig. Eine herausragende Rolle bei der Steuerung des Gesamtsystems haben „Selbstschemata“ sowie besonders im depressiven Geschehen „Selbstwertschemata“. Ein besonders wichtiger Aspekt für Zustandswechsel ist, dass „Selbstschemata“ bestimmen worauf sich die Aufmerksamkeit richtet.

In der Beckschen Depressionstherapie spielt heute der Begriff der Aktivation eine große Rolle. Schemaprozesse sind ohne diese Aktivationsvorgänge nur unvollständig dargestellt. „Schemata“ und „modes“ können unterschiedlich stark aktiviert sein. Die Stärke der Aktivation korrespondiert mit den gerade vorliegenden inneren und äußeren Anforderungen an das Individuum. Aktivation bezeichnet die Hervorhebung von „Schemata“ und „modes“ im Informationsverarbeitungssystem.
Beck unterscheidet direkte von indirekter Aktivation. Bei direkter Aktivation besteht eine Übereinstimmung zwischen auslösenden Bedingungen und Schemainhalt. Bei indirekter Aktivation wird ein Schema ausgelöst und eine Reihe von weiteren „Schemata“, z.B. ein vollständiger „mode“, werden aktiviert. Insbesondere die Aktivation von „modes“ erfolgt auch über innere Auslöser. Aktivierte „Schemata“ und „modes“ dominieren das Informationsverarbeitungssystem und neigen zur Selbsterhaltung und Selbstverstärkung.
Im Rahmen der Überlegungen zur Aktivation misst Beck seinem Konzept der „substhreshold activation“ große Bedeutung zu.

Beck geht besonders für Depression davon aus, daß bei prädisponierten Personen latent eine chronische hypervalente Aktivation „depressiogener Schemata“ bzw. des „Depressionsmodes“ gegeben ist. Daraus resultiert, daß bereits geringfügige stresshafte Ereignisse zur vollen Auslösung des „Depressionsmodes“ führen können. Hinzu kommt noch die Annahme, dass wiederholte Aktivation von „primal loss mode schemata“ die Schwellen erniedrigt und damit die Anfälligkeit einer Person erhöht.

Generell haben nach Beck „modes“, die sich auf existentiell bedeutsame Ereignisse oder auf zentrale Aspekte der Identität und Selbstdefinition beziehen, eine erniedrigte/niedrige „activation threshold“.

Beck bezeichnet solche „bedeutsamen Schemata“ und „modes“ auch als hypervalent. Zur Hypervalenz kommt nach Beck die gesteigerte Verfügbarkeit von „Schemata“ und „modes“ hinzu. Dauer und Häufigkeit der Aktivation steigern die Verfügbarkeit.

Depressionen dauern oft über Monate an, d.h. „depressiogene Schemata“ und „primal loss mode“ erfahren automatisch eine Steigerung der Verfügbarkeit.

Das Ergebnis ist, daß auch in nichtdepressiven Lebensabschnitten geringfügige Anlässe ausreichen, um den gesamten depressiven Zustand aufzurufen.


Snyder´s Modus der Hoffnung


Zu einem in der Therapie erstrebten konstruktiven und gesunden Zustand gehört das Thema Hoffnung. Nach Snyder (Snyder, Ilardi, Michael u. Cheavans, 2000) gehören zum Zustand der Hoffnung auf Ziele gerichtetes Denken (goals), eine energetisierende Komponente (agency) und eine Planungskomponente (pathways).

Snyder verweist darauf, dass das „Fortschreiten auf dem Weg“ zu wichtigen Zielen mit positiven Gefühlen und Wohlbefinden verbunden ist und dass ausgeprägt hoffnungsvolle Personen weniger negative Gefühle bei Blockierungen oder Misserfolgen aufweisen.
Snyder geht einerseits davon aus, dass die drei Komponenten „Beschäftigung mit wichtigen Zielen“, „energetisierende Gedanken, die sich auf die Fähigkeiten zur Durchführung beziehen“ und „Gedanken über mögliche Wege zum Ziel“ positiv korreliert sind und andererseits jede der drei Komponenten zur Auslösung der anderen Komponenten und damit erst zu einem hoffnungsvollen Zustand führen kann.

Snyder hält das Anstossen eines „hoffnungsvollen Zustandes“ für einen der wichtigsten Vorgänge in der Psychotherapie. Ein für die Lebensbewältigung „funktionaler hoffnungsvoller Gesamtzustand“ vereint die Themen „Wünsche und Ziele haben“, „Kraft haben“ und „Wege zum Ziel“.



Young´s Konzept von „Modes“ als „momentan aktive Schemata und Schemabewältigung“


Zur neusten Entwicklung in der Schematherapie von Young gehört das Zusammenspiel von „Schemata und Schemabewältigung“ in Form von „Schema Modi“.

Nicht alle „Frühen-Fehlangepassten-Schemata“ einer Person sind gleichzeitig aufrufbar. „Schema Modus“ bezeichnet die Gruppierung von „Schemata“, die zur gleichen Zeit aktiv sind und einen einzigen „Momentanen Personalen Gesamtzustand“ ausmachen, während andere „Modi“ und ihnen angehörige Zustände nicht gleichzeitig aktiv sein können.

Der rasche und häufige Wechsel von „Gesamtzuständen“ im Fluss der Auseinandersetzung mit den wahrgenommenen Anforderungen ist die Regel. Dieser alltägliche Wechsel vollzieht sich aber eher im Zusammenhang mit angepassten oder zur Anpassung geeigneten „Schemata“ und „Schema Modi“.

Schwer erträgliche Zustände ergeben sich für ein Individuum und dessen interpersonale Umgebung, wenn schnelle unkontrollierbare Wechsel zwischen „dysfunktionalen Modi“ erfolgen oder „dysfunktionale Modi“ lange andauern.

Young´s Definition von „Schema Modus“ lautet:

Ein „Schema Modus“ stellt jene „Schemata und Schemabewältigungsantworten“ dar, die momentan für ein Individuum aktiviert sind. Ein „dysfunktionaler Schema Modus“ ist aktiviert, wenn eine Kombination bestimmter „Schemata oder Schemabewältigungsantworten“ zum Ausbruch starker Emotionen oder zu rigiden Bewältigungsantworten führt, die das gesamte Funktionieren des Individuums bestimmen.

„Dysfunktionale Modi“ lassen sich nach Young als dissoziative Zustände insofern betrachten, als sie jeweils eine nicht oder nicht gänzlich integrierte Facette des Selbst darstellen. „Schema Modi“ können aus dieser Sicht durch das Ausmass ihrer Trennung von anderen „Modi“ gekennzeichnet werden. Ein „Schema Modus“ ist nach Young ein abgeschnittener Teil des Selbst.

Beispiele für Grade der Abtrennung sind auf der extremen Seite die Multiple Persönlichkeitsstörung und auf der anderen Seite ein normaler Stimmungswechsel.
„Schema Modi“ im ersten Fall könnten mit den Namen der jeweiligen Identitäten bezeichnet werden, die die Person momentan repräsentiert, im zweiten Fall könnten die „Modi“ am besten durch die beim Wechsel empfundenen Stimmungen wie Einsamkeitsstimmung oder Verärgerung bezeichnet werden.

Young hat bis zehn allgemeine „Schema modes“ identifiziert, die nach ihrer zeitlich/inhaltlichen Entstehung dem Erleben der Person als Kind, dem dysfunktionalen Bewältigungsstil, dem schädigend erlebten früheren Verhalten der Eltern und dem gesunden Funktionieren als erwachsene Person zugeordnet werden.

Es folgt die Liste dieser Modi.

An den bereits in der Kindheit auftretenden Zuständen orientierte Modi:

1. Vulnerable Child/verletzbares Kind (vc)
2. Angry Child/verärgertes Kind (ac)
3. Impulsive/Undisciplined Child/undiszipliniertes Kind (ic)
4. Contented (happy) Child (cc)

An dysfunktionaler Schemabewältigung orientierte Modi:

5. Compliant surrenderer/folgsamer Erdulder (cs)
6. Detached protector/der distanzierte Beschützer (Die Mauer) (dp )
7. Overcompensator/Kompensator (Modus der Übertreibung, Verstellung und Selbsttäuschung) (oc)

An elterlichen Erziehungseinflüssen orientierte Modi:

8. Punitive Parent/strafender Elternteil (pp)
9. Demanding/Critical Parent/fordernder/kritisierender Elternteil (dc)


Ergänzung des Modus der fürsorglichen Eltern


Modus des gesunden Erwachsenen

10. Healthy Adult/Modus des gesunden Erwachsenen (ha)


© Berbalk 2006
 
< zurück   weiter >