Institut für Schematherapie – Eckernförde  
Das Menschenbild und die theoretischen Säulen

Das Menschenbild der Schematherapie integriert entwicklungspsychologische, evolutionsbio- logische, biopsychologische und humanistische Sichtweisen.

Der Mensch kommt wie andere entwickelte Lebewesen unvollkommen zur Welt und ist einerseits auf Fürsorge und Schutz angewiesen. Andererseits verfügen die entwickelten Lebewesen und auch der Mensch über vielfältige, teils gegebene, teils reifende und teils sich kumulativ entwickelnde Fähigkeiten zur Abstimmung mit den Gegebenheiten ihrer Lebenswelt.

Wie bei anderen entwickelten Lebewesen ist auch für den Menschen die Gestaltung der elterlichen oder elternanalogen Versorgung entscheidend für die Welt- und Selbstbilder der werdenden Person und für die Ausrichtung ihrer Abstimmungsbemühungen sowie für die Entwicklung von Abstimmungsfähigkeiten. Die Abstimmung im Leben erfolgt in Hinsicht auf die Kernbedürfnisse einerseits und die Möglichkeiten und Begrenzungen der angetroffenen Lebensbedingungen. Die Kernbedürfnisse sind Teil der Ausstattung jedes Menschen, Kernbedürfnisse erfordern in der Sicht der Schematherapie somit angemessene Befriedigung oder Berücksichtigung im Leben eines jeden Menschen.

Führen die Lebensbedingungen zur Frustration von Kernbedürfnissen, bilden sich Gedächtnis- strukturen für die körperlichen und emotionalen Antworten, sowie die thematische Einordnung der Person-/Umweltbeziehungen. Diese Gedächtnisstrukturen werden hinderliche Schemata genannt. Die hinderlichen Schemata führen zur Ausrichtung der Abstimmungsbemühungen der Person in Richtung einer Dämpfung oder Verhinderung der Frustrations- und Deprivationsfolgen. Der Lebensstil einer Person wird damit eingeschränkt.

Je stärker ein solches Schema ausgeprägt ist, umso sensibler richtet die Person ihre Aufmerk– samkeit auf mögliche Hinweise für eine aktuelle schemarelevante Frustration. Die Freiheit zur Bestimmung der eigenen Geschicke wird insofern eingeschränkt, als eine Ausrichtung auf den Umgang mit schädigenden Ereignissen und eine Ablenkung vom Streben nach adäquater Beantwortung von Kernbedürfnissen erfolgt.

Die Aufrechterhaltung und Stabilisierung von hinderlichen Schemata wird besonders durch drei Formen der Absicherung gegen aversive Frustrationsfolgen bedingt, die den Verhaltensfolgen gleichen, die als Antworten auf Gefahr und Bedrohung in der Verhaltens- und experimentellen Forschung gefunden wurden: Schemaerdulden analog zum Erstarren (freezing), Schema– vermeiden analog zu Flucht/Vermeidung (flight) und Schemakompensation analog zum Kampf (fight). Die hinderlichen Schemata, d.h. die Gedächtnisstruktur bleibt dabei unverändert und Schemaerdulden, Schemavermeidung und Schemakompensation mögen in der Stärke, der Form und der Kombination variieren.

Die Abschwächung und die Unterlassung dieser drei Arten der Schemabeantwortung sind die Voraussetzungen, aber nicht die Hauptbedingungen, für die „Heilung eines Schemas“. Die Befreiung von den Einschränkungen hinderlicher Schemata geschieht über ausgleichende, korrigierende Erfahrungen der Befriedigung früher und in der Gegenwart deprivierter Kernbedürfnisse, teils in der Therapie bzw. therapeutischen Beziehung, teils in gewandelten und neuen, persönlich bedeutsamen Beziehungen.

© Berbalk 2006

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Die Säulen der Schematherapie nach Berbalk 2006 ©

© Berbalk 2006

 

 

 
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